Wenn du das Gefühl hast, alle zu funktionieren und nur innen nicht

Functioning on the outside, empty inside

Wenn du das Gefühl hast, alle zu funktionieren und nur innen nicht

Du funktionierst - innen ist es leer. Diese 5 Anzeichen erkennen viele erst spaet. Erklaerungen aus der Praxis, mit Quellen, ohne Besserwisserei.

Einleitung: du bildest dir das nicht ein

Wenn du nach außen funktionierst, deinen Job machst, deine Familie versorgst, in Meetings professionell auftrittst und im Freundeskreis als die stabile, zuverlässige Person gilt. Wenn du das alles leistest, aber innerlich eine Leere spürst, die du kaum aussprechen kannst. Wenn du dich nach Feierabend erschöpft fühlst, ohne erklären zu können, warum.

Du bildest dir das nicht ein. Das ist kein Luxusproblem. Das ist ein bekanntes Phänomen mit einem Namen.

Was Smiling Depression ist

In der Psychiatrie spricht man von hochfunktionaler Depression oder Smiling Depression. Das Onmeda-Gesundheitsportal beschreibt das so: Symptome können schwanken, teilweise wirken Betroffene nach außen sogar fröhlich, während sie innerlich leiden. Das Fachzentrum Psychotherapie ergänzt: Betroffene wirken nach außen oft fröhlich, während sie innerlich leiden.

Das unterscheidet die Smiling Depression von der klassischen Depression. Bei der klassischen Depression stehen Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Rückzug im Vordergrund. Bei der Smiling Depression ist die Fassade intakt. Die Person geht zur Arbeit. Sie lächelt. Sie erledigt. Aber innen ist sie aufgebraucht.

Das Psychiater-Magazin IJPS beschreibt, dass Smiling Depression in den letzten Jahren vor allem bei jungen und arbeitenden Menschen zunimmt. Es ist kein anerkanntes Störungsbild im klassischen Sinn, aber ein klinisch relevantes Phänomen.

Warum Coaching hier wirkt

Wer mit einer klassischen Depression in die Praxis kommt, braucht Therapie. Punkt. Aber wer mit Smiling Depression kommt, ist oft grundsätzlich gesund, leistungsfähig und gut organisiert. Das Problem ist nicht die Funktion. Das Problem ist, was unter der Funktion fehlt.

Genau hier setzt Coaching an. Coaching arbeitet mit Menschen, die funktionieren, aber unter der Oberfläche etwas klären wollen. Es ist kein Ersatz für Therapie, aber es ist ein Weg für Menschen, die nicht krank genug sind für eine Therapie und nicht zufrieden genug mit dem Status quo.

Drei Dinge, die unter dem Funktionieren liegen können

In meiner Praxis sehe ich drei wiederkehrende Muster bei Klient:innen, die mit dem Gefühl in die Sitzung kommen, dass etwas fehlt.

Muster 1: Du lebst nach den Erwartungen anderer

Du hast früh gelernt, dass Funktionieren belohnt wird. Du hast den perfekten Lebenslauf gebaut, die richtige Karriere gewählt, die richtige Familie gegründet. Aber irgendwann merkst du, dass das alles nicht deine Geschichte ist. Es ist die Geschichte, die du erzählen kannst.

Das Verräterische an diesem Muster: Du kannst es von außen nicht erkennen. Alle finden dein Leben großartig. Nur du spürst, dass etwas fehlt.

Muster 2: Du hast vergessen, was du willst

Du funktionierst, weil du gelernt hast, dass Funktionieren sicher ist. Wollen ist riskant. Wollen kann Enttäuschung bedeuten. Also machst du, was gemacht werden muss, und vermeidest die Frage, was du selbst willst.

Wenn ich in Sitzungen frage: Was willst du? Dann kommt oft erst mal Stille. Nicht weil die Antwort schwer ist, sondern weil die Frage ungewohnt ist.

Muster 3: Du misst deinen Wert an deiner Leistung

Du bist gut in dem, was du tust. Du bekommst Anerkennung. Du wirst befördert. Aber je mehr du leistest, desto weniger hast du das Gefühl, dass du selbst zählst. Dein Wert hängt an dem, was du lieferst. Wer du bist, abgesehen von deiner Leistung, ist unscharf.

Das ist kein Charakterfehler. Das ist ein erlerntes Muster. Und es lässt sich bearbeiten.

Warum das passiert

Irvin Yalom, einer der wichtigsten Psychotherapeuten des 20. Jahrhunderts, hat darauf hingewiesen, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit viele Menschen zu einer völlig neuen Orientierung führt. Das klingt dramatisch, ist aber alltagspsychologisch: Wer sich klarmacht, dass das Leben endlich ist, hört auf, das zu tun, was andere erwarten, und fängt an zu prüfen, was wirklich zählt.

Bei meinen Klient:innen ist es meistens nicht die Endlichkeit, die den Ausschlag gibt. Es ist ein konkreter Moment. Eine Kränkung im Job. Eine Trennung. Ein leeres Wochenende, an dem sie merken, dass sie niemanden haben, mit dem sie reden können. Oder einfach der 40. Geburtstag und die Frage: Stimmt das alles noch?

Was Coaching hier konkret tut

In meiner Praxis arbeite ich mit Smiling-Depression-Klient:innen in drei Schritten.

**Schritt 1: Anerkennung.** Wir reden darüber, was unter der Oberfläche passiert. Nicht um zu pathologisieren, sondern um ehrlich zu werden. Du darfst sagen, dass es dir nicht gut geht, ohne dass es dafür einen Befund braucht.

**Schritt 2: Klärung.** Wir schauen, welche Werte du hast, was du willst, welche kleinen Handlungen Ausdruck davon sind und welche nicht. Das ist keine Selbstfindungs-Übung. Es ist die Grundlage dafür, dass du entscheiden kannst, was als Nächstes passiert.

**Schritt 3: Umsetzung.** Wir arbeiten an konkreten Schritten. Nicht an großen Lebenskrisen (dafür ist Therapie da), sondern an den vielen kleinen Momenten, in denen du dich entscheidest, ob du weiter funktionierst oder ob du ehrlich wirst.

Wann Therapie der bessere Weg ist

Wenn dein Leere-Gefühl von Symptomen begleitet wird, die seit Wochen anhalten, ist therapeutische Abklärung sinnvoll. Konkret: Wenn du dauerhaft schlecht schläfst, deinen Appetit verlierst, dich grundlos hoffnungslos fühlst oder Panikattacken hast. Wenn du Suizidgedanken hast, ist sofortige ärztliche Hilfe angesagt.

In meiner Praxis verweise ich aktiv an Therapeut:innen, wenn therapeutische Hilfe angezeigt ist. Coaching kann dann später wieder sinnvoll sein, parallel oder danach.

Was du heute tun kannst

Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, hier drei einfache Schritte, die du heute gehen kannst:

1. Schreib auf, was du in den letzten 30 Tagen gemacht hast, was du tun wolltest. Was hat gefehlt, was war zu viel, was hat gestimmt.

2. Frag eine Person, der du vertraust, wie sie dich in den letzten Monaten erlebt hat. Nicht was du gemacht hast, sondern wie du drauf warst. Die Antwort kann überraschen.

3. Überleg, was du tun würdest, wenn du wüsstest, dass das nächste Jahr dein letztes wäre. Nicht, weil du sterben wirst. Sondern weil die Frage die Illusion von Zeit entlarvt.

Keiner dieser drei Schritte löst das Problem. Aber sie öffnen den Raum, in dem Coaching oder Therapie wirken kann.

Dein nächster Schritt

Wenn du das Gefühl hast, dass etwas fehlt, obwohl du nach außen stimmst: Melde dich für ein kostenloses Orientierungsgespräch. 15 Minuten, klare Einschätzung, was zu dir passt.

Wenn Coaching passt, beschreiben wir den Rahmen. Wenn Therapie passt, nenne ich dir Adressen. Wenn du erst mal nur reden willst, geht das auch.

Du musst das nicht alleine entscheiden.

Quellen

– Fachzentrum Psychotherapie zu Smiling Depression: https://www.fachzentrum-psychotherapie.de/wissen/psychotherapie-news/hochfunktionale-depression-was-ist-das – Onmeda zu hochfunktionaler Depression: https://www.onmeda.de/krankheiten/depression/hochfunktionale-depression-id212858/ – IJPS Journal zu Smiling Depression: https://www.ijpsjournal.com/article/Smiling+Depression+When+A+Smile+Hides+the+Pain+ – Die Businesscoach: Erfolgreich, aber innerlich leer: https://diebusinesscoach.at/erfolgreich-aber-innerlich-leer/ – Yalom In die Sonne schauen Leseprobe: https://www.penguin.de/content/edition/excerpts_extended/Leseprobe_978-3-442-77360-2.pdf – Verena Kast Vertrauen braucht Mut: https://www.verena-kast.ch/publikationen/

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